Ledermann, Nina
Stadtplanung , Fachbereich 3 - Stadtentwicklung, Mobilitätsmanagement +2 Weitere
Die Stadt Horb am Neckar plant im Rahmen der Fertigstellung der Hochbrücke über dem Neckartal die Neugestaltung der Ortsdurchfahrt auf der Neckarstraße. Ziel eines Realisierungswettbewerbs ist es, durch die zu erwartende Entlastung der Ortsdurchfahrt einen Shared-Space-Bereich zu schaffen und verschiedene Nutzungsszenarien zu entwickeln und zu berücksichtigen. Dabei soll die Planung der Verkehrs- und Freianlagen für das ca. 2 ha große Gebiet sowie die Entwicklung von Vorschlägen für das Stadtmobiliar und die Verbesserung der Sicherheit und Aufenthaltsqualität im Fokus stehen.
Die Stadtverwaltung veröffentlicht an dieser Stelle aktuelle Informationen zur weiteren Umsetzung dieses für die Stadt und ihre Bevölkerung wichtigen Zukunftsprojektes.
Nach einem guten Jahr intensiver Zusammenarbeit zwischen dem Büro TDB Landschaft Berlin und der Stadt Horb am Neckar konnte Ende März 2026 die Leistungsphase 2 (Vorplanung) abgeschlossen werden. Inhalt der Vorplanung war, alle drei Teilbereiche des Wettbewerbsgebietes zu untersuchen und zu beplanen. Teilbereich A stellt den Bereich der Neckarstraße von den Christophorusbrücken bis zu den Einmündungen in die Gutermannstraße und die Stuttgarter Straße dar. Teilbereich B umfasst den Platz rund um den Fruchtkasten einschließlich Wilhelmstraße und einem Teil der westlichen Schillerstraße und Teilbereich C die östliche Schillerstraße und das Reibegäßle bis zur Mühlener Straße.
Mit Beschlussfassung im Gemeinderat am 28. April 2026 wurde das Gebiet für die Umgestaltung nun auf alle drei Teilbereiche festgelegt. Somit wurde entschieden, dass die Verkehrsführung in der Kernstadt zukünftig über einen Ringverkehr in Einbahnrichtung verlaufen und die Neckarstraße zum verkehrsberuhigten Bereich wird.
Das Quartier rund um die östliche Schillerstraße und das Reibegäßle wird zum neuen Sanierungsgebiet und durch den neu zu bauenden Parkring und der damit verbundenen Pflanzung von über 30 neuen Bäumen deutlich aufgewertet.
Die Neckarstraße, der gesamte Bereich rund um den Fruchtkasten inklusive des Teilbereichs der westlichen Schillerstraße sowie die östliche Schillerstraße bis zur Brücke über den Mühlkanal werden als Shared-Space ausgestaltet. Dies bedeutet, dass sich alle Verkehrsteilnehmenden den Straßenraum gleichberechtigt teilen. Es wird keine Bordsteine und extra Gehwege mehr geben. Der gesamte Bereich wird gepflastert und verkehrsberuhigt ausgestaltet.
Ausführliche Unterlagen und Informationen zum geplanten Umbau der Innenstadt wurden beim Tag der Städtebauförderung am Samstag, 9. Mai 2026 bei einer Ausstellung im Fruchtkasten, Neckarstraße 33 in Horb am Neckar präsentiert.
Das Büro TDB Landschaft Berlin und die Stadt Horb am Neckar werden nun in Leistungsphase 3 in die Entwurfsplanung einsteigen. Dazu finden Sie anbei die entsprechenden Pläne als PDF Dokument.
Übersichtsplan Bereiche ABC (PDF)
Übersichtsplan Bereiche ABC- Bearbeitungsgebiet (PDF)
Lageplan Bereich A- Neckarstraße (PDF)
Lageplan Bereich B- Fruchtkasten (PDF)
Lageplan Bereich C- Reibegäßle (PDF)
Präsentation TDB Berlin zur Infoveranstaltung vom 20.05.2026
Gemeinderat 28.04.2026 - Rückbau OD und Neugestaltung Innenstadt
Link zu Sanierungsgebiet Fruchtkasten / Innenstadt
Link zum geplanten Sanierungsgebiet Fruchtkasten / Innenstadt II
Die Verkehrssanierung und -umgestaltung in Horb am Neckar soll in zwei klar definierten Bauabschnitten erfolgen. Die Neugestaltung der Neckarstraße soll dabei unabhängig von der Einbahnring-Umfahrung in einem ersten Bauabschnitt funktionieren. Durch die konsequente Anwendung des modularisierenden Ansatzes soll eine flexible Anpassung der Planung und Ausführung an die jeweiligen Anforderungen und Bedingungen ermöglicht werden.
Ein besonderes Augenmerk wird auf die maßstäbliche und funktionale Umsetzung der Anforderungen gelegt, wobei nachhaltige und wirtschaftliche Aspekte ebenso berücksichtigt werden. Die städtebauliche Einbindung soll dabei sensibel erfolgen und die räumliche Entwicklung des Gebiets sollte im Einklang mit den vorgeschlagenen Maßnahmen stehen.
Das übergeordnete Ziel dieses Wettbewerbs ist es, qualitativ überzeugende und funktional tragfähige Entwürfe für die Stadtraumgestaltung zu entwickeln. Dabei soll ein Gesamtkonzept entstehen, das die verschiedenen Nutzungsszenarien harmonisch integriert und ein funktionierendes Miteinander im neu gestalteten Raum ermöglicht.
Das Gebiet umfasst den Bereich der unteren Kernstadt. Es wird im Osten begrenzt durch das Reibegäßle bzw. den Anknüpfungspunkt auf die Mühlener Straße im Bereich des alten Bahnwärterhauses. Im Westen ist es begrenzt durch die Wilhelmstraße, im Süden bildet der Neckar die Grenze und im Norden der Bereich der Gutermann-Grundschule bzw. die Einmündung in die Stuttgarter Straße.
In öffentlicher Gemeinderatssitzung wurde dem Gremium am 25. Juli 2023 der aktuelle Sachstand dargestellt. Informationen hierzu finden Sie im Bürgerinformationssystem (Sitzung 25. Juli 2023, TOP 2 ö) der Stadt Horb am Neckar.
Das beauftragte Verkehrsplanungsbüro Richter-Richard erarbeitete eine Machbarkeitsstudie, deren Ergebnisse hier zu finden sind. Das Büro Richter-Richard schlug zudem vor, eine Verkehrsbefragung durchzuführen mit der Zielsetzung, Zahlen für die Nutzung der Brücke zu erhalten und so festzustellen, mit wie viel verbleibendem Verkehr nach Fertigstellung der Hochbrücke noch in der Innenstadt zu rechnen ist.
Der Beschluss, den Wettbewerb für die Planung der Umgestaltung der Ortsdurchfahrt durchzuführen sowie das Büro kohler grohe architekten für die Wettbewerbsbegleitung direkt zu beauftragen wurde am 19.12.2023 im Gemeinderat gefasst. Die entsprechende Beratungsunterlage finden Sie ebenfalls im Bürgerinformationssystem (Sitzung 19. Dezember 2023, TOP 1 ö) der Stadt Horb am Neckar.
Am 12. November 2024 fand das Preisgericht zum Wettbewerb „Rückbau Ortsdurchfahrt und Neugestaltung Innenstadt Horb am Neckar“ statt. Insgesamt wurden 12 Arbeiten abgegeben. 1. Preisträger ist das Büro TDB Landschaft, Berlin.
Die Wettbewerbsergebnisse wurden Ende November eine Woche lang im Steinhaus der Öffentlichkeit präsentiert. Die Möglichkeit, sich die Pläne anzuschauen, wurde von ca. 100 Bürgerinnen und Bürgern wahrgenommen.
Im November 2024 wählte das Preisgericht zum Wettbewerb aus 12 Arbeiten das Büro TDB Landschaft, Berlin, als ersten Preisträger aus. In seiner Sitzung am 25. März 2025 beauftragte der Gemeinderat einstimmig das Büro TDB Landschaft mit weiteren Planungen.
Anbei finden Sie die Ergebnisbroschüre Wettbewerb Ortsdurchfahrt Horb am Neckar (PDF)
Präsentation: 1. Preis TDB Landschaft, Berlin (PDF)
Es ist diese besondere gefühlvolle Zurückhaltung in der Fläche gepaart mit stimmigen akzentuierenden Setzungen an den richtigen Orten, mit denen die Arbeit ins Auge fällt. Mit dem nachvollziehbaren Verweis auf die bereits vorhandenen Raumkanten und die prägende Topografie werden Bäume in der Anzahl zurückhaltend, in der Betonung der Raumfolgen jedoch stimmig gesetzt und für die Akzentuierung der jeweiligen Orte richtig und in hoher atmosphärischer Dichte inszeniert. Am Fruchtkasten entsteht so ein angenehm locker begrünter Platz mit einladender Freitreppe zum Wasser. Der etwas karge Brunnenplatz schafft flexibel nutzbaren Stadtraum. Auch wenn der talseitige Blick doch etwas verstellend wirken könnte, so spielen die Stadtterrassen im Ganzen eloquent mit den vorhandenen Höhendifferenzen und entwickeln im lichten Schatten der Bäume in der Ebene wie über die schwingenden Treppen reizvolle Aufenthaltsqualitäten. Bushaltestellen in Kurven sollten jedoch vermieden werden.
Der vorgeschlagene Stadtboden ist für die intendierte Nutzung ausreichend strapazierfähig und spannt sich richtigerweise in einheitlich verbindendem Duktus von Fassade zu Fassade auf. Konzeptionell grundsätzlich nachvollziehbar ist die Fortführung der Belagseinheit bis zur Oberstadt – mit Blick auf die unterschiedlichen zukünftigen Verkehrsbelastungen wird die Notwendigkeit eines dementsprechend frühzeitigeren Abschluss diskutiert. Bemerkenswert ist das subtile Spiel mit Pflasterrinne und Plattenrinne, die einerseits klare Verkehrsführungen / Orientierung ermöglicht, andererseits an den richtigen Stellen auf die intendierte Gleichberechtigung der Verkehrsteilnehmer verweist. In Konsequenz des Konzeptes eines steinernen Stadtrings versus grünen Parkring wird das Reibegäßle in eine „Parkfuge“ eingelegt. Das kraftvolle Grün, die Möglichkeit zum Eintauchen und die zurückhaltende und doch attraktive Bespielung des Innern überzeugt, die Proportionen im Park und der doch raumgreifende Ausbau der Straße werden dagegen kritischer diskutiert. Die vorgegebenen verkehrlichen Szenarien lassen sich in gestuften Bauabschnitten gut umsetzen und ermöglichen auch dann zukünftig eine hohe Flexibilität in der Nutzung. Flächenlayout und die dargestellte handwerkliche Durcharbeitung in Verbindung mit der vorgeschlagenen Materialität lassen angemessene Gestehungs- wie Unterhaltkosten erwarten. Die neuen Bäume haben aufgrund weitgehend offener und gut dimensionierter Baumstandorte eine gute Entwicklungsperspektive. Das Regenwassermanagement ist trotz der Einschränkungen durch Raum und Topografie sinnfällig in das Gesamtlayout eingebunden.
Und so sind es letztendlich eben diese Zurückhaltung, die einfühlsame Durcharbeitung im Detail, die nutzungsoffenen und doch gut zu bespielenden Räume, die auch in die Zukunft gerichtete Flexibilität und Dauerhaftigkeit, die diese Arbeit kennzeichnen – ein Beitrag, der so einen hervorragenden Lösungsansatz für die ambitionierte Umgestaltung der öffentlichen Räume von Horb am Neckar bietet.
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