Lotzer-Jahr 2025

Horb feiert 500 Jahre Lotzers Erbe

Ein Jahr im Zeichen von Freiheit und Gerechtigkeit

Horb am Neckar feiert 2025 ein ganz besonderes Jubiläum: das Lotzer-Jahr! Gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern wird das 500-jährige Bestehen der Zwölf Artikel gewürdigt – jenes bahnbrechende Dokument, in dem erstmals Menschenrechte formuliert und dank des Buchdrucks rasch verbreitet wurden. Einer der Verfasser dieser wegweisenden Schrift war Sebastian Lotzer, geboren um 1490 in Horb. Als gelernter Kürschner zog er durch verschiedene Städte, fand seinen Weg nach Memmingen und verschwand nach 1525 aus den historischen Aufzeichnungen.

Weitere Infos zu Sebastian Lotzer sind im aktuellen Projekt des Landesmuseums Württemberg auf Instagram https://www.instagram.com/magda_lautseit1525/ und der Website https://www.lautseit1525.de zu finden.

Trotz finanzieller Herausforderungen und ohne Fördermittel von Bund oder Land nimmt die Stadt Horb am Neckar das Jubiläum zum Anlass, die historischen Forderungen von Freiheit und Gerechtigkeit neu zu beleuchten und mit einer Vielzahl spannender Veranstaltungen zu feiern und auch Drittveranstaltungen zu unterstützen.

KI-generierter Sebastian Lotzer
© Landesmuseum Württemberg, CC BY-NC-ND

Video-Podcast: „Für Freiheit & Gerechtigkeit. Sebastian Lotzers Erbe.“

Im Mittelpunkt des Festjahres steht „Für Freiheit & Gerechtigkeit. Sebastian Lotzers Erbe.“ – ein innovativer Video-Podcast, der Stimmen aus Horb am Neckar versammelt. Hier wird diskutiert, reflektiert und in aktuelle Zusammenhänge gesetzt, was Lotzers Ideen von Freiheit und sozialer Gerechtigkeit für uns heute bedeuten.

Um Sebastian Lotzer ein lebendiges und leicht zugängliches Denkmal zu setzen, produziert die Stadt Horb a. N. einen innovativen Videopodcast. War es im Jahr 1525 der Buchdruck, der Lotzers „Zwölf Artikel“ weit verbreitete, so sind es heute Wort und Bild des Videopodcasts, die seine Ideen in die Gegenwart tragen.

In zwölf Folgen erweckt der Podcast die historischen Forderungen von Freiheit und Gerechtigkeit zu neuem Leben. Jede Episode widmet sich einem der Artikel und lässt eine aktuelle Stimme aus Horb zu Wort kommen – ein Brückenschlag zwischen Geschichte und Gegenwart. Nach dem Produktionsstart im April 2025 wurde der Podcast ab Ende Juni 2025 auf HORB.de, der HORB-App und dem YouTube-Kanal der Stadt Horb a. N. veröffentlicht.

Im zweiwöchentlichen Rhythmus werden die Folgen bis November 2025 auf dem YouTube-Kanal der Stadt Horb a. N. veröffentlicht.

Erste Folge: Mitbestimmung statt Bevormundung

Die Horberinnen und Horber kennen den Beteiligungsexperten Thomas Haigis aus den Bürgerbeteiligungsprozessen zum Masterplan Horb 2025 und den Stadtteilkonferenzen. In der ersten Folge geht es um Mitbestimmung statt Bevormundung. Die erste Folge finden Sie hier.

Zweite Folge: Gerechte Abgaben – Wem kommen die Abgaben zugute?

Mit dem evangelischen Pfarrer Johannes Unz spricht die Kulturmanagerin Dr. Caroline Yi unter anderem darüber, wie heutzutage Abgaben im Kontext der evangelischen Kirche verteilt werden. Hier die zweite Folge.

Dritte Folge: Frei geboren – warum die Bauern die Leibeigenschaft abschaffen wollten.

Die Bauern wollten nicht mehr Leibeigene ihrer Herren sein. Sie forderten: „Wir sind frei geboren – niemand darf über unser Leben bestimmen!“. Im Interview mit der Kulturmanagerin Dr. Caroline Yi ergründet der lokalhistorisch engagierte Stadtführer Joachim Lipp, warum die Leibeigenschaft für die Bauern so belastend war. Die dritte Folge finden Sie hier.

Vierte Folge: Wem gehören unsere Nahrungsmittelressourcen?

Die Bauern forderten den freien Zugang zu landwirtschaftlichen Flächen & Ressourcen, weil sie auf diese angewiesen waren, um sich selbst zu versorgen. Mit dem Ernährungsexperten Sven Bach spricht Kulturmanagerin Dr. Caroline Yi unter anderem über Nahrungsmittel, deren Verfügbarkeit und wie nachhaltig Lebensmittelversorgung gelingen kann. Hier die vierte Folge.

Fünfte Folge: Gerechte Verteilung knapper Ressourcen.

Holz war für die Bauern so wichtig wie heute Strom oder Benzin - sie brauchten es zum Heizen, Bauen und Arbeiten. Doch sie durften es nicht einfach nutzen, weil die Adligen das Recht auf den Wald für sich beanspruchten. Sie forderten: "Holz für alle - nicht nur für die Mächtigen!"
Im Interview mit dem Landwirt Michael Keßler spricht die Kulturmanagerin Dr. Caroline Yi unter anderem über den Zugang zu Ressourcen und wie gerechte Verteilung von Rohstoffen aussehen kann. Die fünfte Folge finden Sie hier.

Sechste Folge: Faire Arbeit statt Dauerstress?

Die Bauern mussten unbegrenzt für ihre Grundherren arbeiten – ohne Lohn, ohne Mitbestimmung und ohne Begrenzung der Arbeitslast. Sie forderten: „Unsere Arbeit soll uns selbst zugutekommen – nicht nur den Herrschenden!“
Mit der Unternehmerin Laura Doormann spricht Kulturmanagerin Dr. Caroline Yi über moderne Arbeitswelten – zwischen dem Wunsch nach Selbstverwirklichung und dem Bedürfnis nach Sicherheit. Hier klicken für die sechste Folge.

Siebte Folge: Ich halte mein Wort – warum Verlässlichkeit zählt

Die Bauern forderten, dass Grundherren sich an Abmachungen halten und nicht nachträglich mehr Dienste oder Abgaben verlangen. Sie wollten: „Ein Vertrag soll für beide Seiten gelten – nicht nur, wenn es dem Mächtigen passt!“.
Im Interview mit Michael Jung, vielfacher Medaillengewinner bei Olympia, Welt- und Europameisterschaften spricht die Kulturmanagerin Dr. Caroline Yi unter anderem über Verlässlichkeit im Beruf, in der Gesellschaft oder im Sport. Bitte hier klicken, um die siebte Folge anzuschauen.

Achte Folge: Unsere Arbeit soll sich für uns selbst lohnen – nicht nur für die Reichen!

Die Bauern leisteten harte Arbeit, doch die hohen Pachtzinsen nahmen ihnen fast alles wieder weg. Sie forderten: „Unsere Arbeit soll sich für uns selbst lohnen – nicht nur für die Reichen!“
Mit dem Wirtschaftsjournalisten Wolfgang Hirn spricht Kulturmanagerin Dr. Caroline Yi über den Umgang mit dem Thema faire Bezahlung in Deutschland und anderen Ländern. Um die Folge anzusehen hier klicken.

Neunte Folge: Faire Arbeit weltweit: Gerechtigkeit für alle – Wer darf seine Stimme erheben?

Die Bauern mussten hohe Gerichtskosten zahlen, während Adlige oft straffrei blieben. Sie forderten: „Jeder soll vor Gericht die gleichen Chancen haben – nicht nur die Reichen!“ 
Im Interview mit der Richterin Jennifer Dallas-Buob spricht die Kulturmanagerin Dr. Caroline Yi unter anderem über unterschiedliche Rechtssysteme und was ein faires System ausmacht. Folge neun hier ansehen.

Zehnte Folge: Historisches Eigentum - Wem gehört unsere Vergangenheit?

Die Bauern beklagten, dass Adlige sich im Gemeindeland aneigneten, das eigentlich allen gehörte. Sie forderten: " Eigentum soll gerecht verteilt sein - nicht nur den Mächtigen gehören!"
Mit dem Architekten für Denkmalpflege Timo Raible spricht Kulturmanagerin Dr. Caroline Yi über die Verantwortung der Gesellschaft im Kontext eines zeitgenössischen Denkmalschutzes. Um die Folge anzusehen hier klicken.

Elfte Folge: Erben und Gerechtigkeit – Was bleibt, wenn wir gehen? 

Die Bauern kritisierten, dass ihre Familien durch den Tod eines Angehörigen nicht nur eine wichtige Arbeitskraft verloren, sondern auch noch Besitz an den Grundherrn abgeben mussten. Sie forderten: „Unser Eigentum soll in der Familie bleiben – nicht einfach an die Herrschenden fallen!“
Im Interview mit Nachlassverwalter Manuel Hellstern spricht Kulturmanagerin Dr. Caroline Yi darüber, wie mit Erbe umgegangen wird und was es bedeutet, Nachlässe zu ordnen. Folge elf hier ansehen.

Zwölfte Folge:Vertrauen & Integrität – Was hält uns zusammen?

Die Bauern erklärten ihre Forderungen nur dann für legitim, wenn sie mit höheren moralischen Prinzipien – Gottes Wort – übereinstimmen. Sie forderten: „Unsere Werte müssen Bestand haben – nicht nur dann gelten, wenn es uns passt!“  Mit der Pastoralreferentin Susanne Tepel spricht Kulturmanagerin Dr. Caroline Yi unter anderem über die Bedeutung von Integrität in einem spirituellen oder religiösen Kontext. Folge zwölf hier ansehen.

Videopodcast: Für Freiheit und Gerechtigkeit Sebastian Lotzers Erbe
© Stadt Horb am Neckar, CC BY-NC-ND

Schulprojekte - Lotzer macht Schule

Im November 2024 besuchten Schülerinnen und Schüler des Martin-Gerbert-Gymnasiums das Archiv der Stadt Horb a. N. und das Lotzer-Denkmal in der Wintergasse. Im Fach Kunst und Gemeinschaftskunde setzten sie sich kreativ mit den „Zwölf Artikeln“ auseinander.

Die Schülerinnen und Schüler arbeiteten an verschiedenen Kunstprojekten im Kontext Erinnerungskultur. Hier finden Sie die Arbeiten zum „Projekt Sebastian Lotzer – eine Spurensuche“, Klasse 10 a, Martin Gerbert-Gymnasium Horb am Neckar.

Der Kunst-Leistungskurs am Martin Gerbert-Gymnasium Horb a. N. machte das Thema „Freiheit & Gerechtigkeit“ zum Ausgangspunkt seiner Arbeiten. Im ersten Schritt entstanden Skulpturen, die das Thema in junger, zeitgenössischer Form interpretieren. Anschließend wurden die Figuren in Kooperation mit dem VR-Labor der DHBW Horb a. N. digitalisiert. Bei der Langen Nacht der Lichter am 10. Oktober 2025 wurden diese erstmals in einer virtuellen Ausstellung präsentiert. Die originalen Skulpturen können Sie hier ansehen.

Auch die Gewerbliche und Hauswirtschaftliche Schule Horb a. N. setzt sich intensiv mit dem Thema 500 Jahre Bauernkrieg auseinander. Inspiriert vom Besuch der Ausstellung „PROTEST!“ im Landesmuseum Baden-Württemberg, entsteht ein kreatives Gestaltungsprojekt. Eine Idee dabei: Das Thema Protest für Freiheit und Gerechtigkeit druckgrafisch zu gestalten und in vielfacher Form im Stadtgebiet sichtbar zu machen.

Ausstellungen im Lotzer-Jahr 2025

Von März 2025 bis Ende 2025 ist im Stadtmuseum Horb eine Sonderausstellung zu Sebastian Lotzers Schriften zu sehen.
Die Ausstellung umfasst Faksimiledrucke und Transkriptionen, die einen einfachen Zugang zu den historischen Texten ermöglichen.
Die Ausstellung des Stadtmuseums Horb im Veranstaltungsraum des BürgerKulturHauses, kann sonntags, montags, mittwochs, freitags 14:00 bis 17:00 Uhr und samstags 10:00 bis 13:00 Uhr besichtigt werden, der Eintritt ist frei.

Begleittext zur Ausstellung LOTZER lesen!

Auch der Kunstverein Oberer Neckar e. V. (KVON) widmet das Thema seiner Mitgliederausstellung dem 550-jährigen Bauernkriegsjubiläum.
Die Ausstellung „Aktuelle 2025 – Aufbegehren“ startet im Dezember 2025 und ist samstags und sonntags von 14:00 bis 18:00 Uhr zu besichtigen.

Weitere Infos finden Sie auf der Homepage des KVON:
Kunstverein Oberer Neckar

Vergangene Veranstaltungen

Die Musiktage Horb a. N. fanden in diesem Frühling bereits zum 27. Mal statt. Das Musikfestival hat sich zu einer bedeutenden kulturellen Veranstaltung in der Region entwickelt und vereint hochwertige Konzerte, Nachwuchsförderung und ein vielfältiges musikalisches Programm mit künstlerischer Exzellenz.
Den Auftakt machte am Freitag, 9. Mai 2025, 20:00 Uhr eine Soirée im Schloss Weitenburg.
Ein Highlight war das Muttertagskonzert im Kloster am Sonntag, 11. Mai 2025, 18:00 Uhr, mit dem international sehr erfolgreichen Violin-Solist Iskandar Widjaja, mit einem Programm zwischen den Welten Pop und Klassik.
Ein absoluter Höhepunkt folgte dann mit dem Konzert am Sonntag, 18. Mai 2025, 18:00 Uhr, in der Stiftskirche mit einer eigenen Ballett-Inszenierung des berühmten Konzertes für Gitarre und Orchester „Concierto de Aranjuez“ von Joaquin Rodrigo, mit der Choreografie von Alessandra Giaquinto, einem ehemaligen Tänzer vom weltbekannten Stuttgarter Ballett und jungem Choreografen, welcher derzeit an der Oper in Zagreb inszenierte.
Den Abschluss bildete das „Horber Konzert“ am Freitag, 23. Mai 2025, 20:00 Uhr,  in der St.-Mauritius-Kirche in Nordstetten.

Die von der Stadt Horb a. N. unterstützte Theatergruppe um Pina Bucci zeigte zur Ausstellungseröffnung eine Kostprobe des Stücks „Sebastian Lotzer. Ein Horber schreibt Geschichte". Das Theaterstück wurde im Sommer auf dem Horber Marktplatz uraufgeführt.
Termine: 26. & 27. Juli, 1. & 2. & 3. August 2025

Im Saal des Kulturhauses Kloster fanden im Herbst hochkarätige Vorträge von führenden Fachleuten zu Sebastian Lotzers Wirken und seine Schriften statt.

12. September 2025, 19:00 Uhr

„Reform, Reformation, Revolution - Sebastian Lotzer und die Freiheit“
Sebastian Lotzer aus Horb war 1525 eine Schlüsselfigur im Bauernaufstand. In Memmingen einigte er drei Gruppen und verfasste die Forderungen der Bauern. Prof. Dr. Johannes Dillinger (Oxford) untersuchte Lotzers Rolle als Politiker und Theologe.

24. Oktober 2025, 19:00 Uhr

„Die frühreformatorischen Flugschriften von Sebastian Lotzer und die Zwölf Artikel der Bauernschaft“
Zwischen 1523 und 1525 schrieb Lotzer laientheologische Texte, darunter zwei Sendbriefe an seine Geburtsstadt Horb a. N.. An den Zwölf Artikeln wirkte er federführend mit. Die Expertin Heide Ruszat-Ewig aus Memmingen ordnete sein Wirken historisch ein.

Im Rahmen der Reihe „Mit Worten zur Freiheit“ lud der Berthold-Auerbach-Literaturkreis im Jahr 2025 zu fünf besonderen Lesungen ein. Im Mittelpunkt standen die zeitlosen Themen Freiheit und Gerechtigkeit – beleuchtet durch bewegende Texte, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbinden.

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