Mit einer neuen Energiezentrale auf dem ehemaligen Kasernengelände entwickeln die Stadtwerke Horb am Neckar die Fernwärmeversorgung auf dem Hohenberg gezielt weiter. Dabei setzen sie auf eine zukunftsorientierte Kombination moderner Technologien: Restholz-Hackschnitzel aus dem städtischen Forst, innovative Wärmerückgewinnung, Wärmepumpentechnik und ein Großwärmespeicher ermöglichen es, die eingesetzten Ressourcen effizient zu nutzen und die Wärmeerzeugung nachhaltig weiterzuentwickeln.
Die Umsetzung des Projekts übernimmt die Julius Gaiser Unternehmensgruppe als Generalunternehmer. Die GaiserPlan GmbH, ein Unternehmen der Gaiser-Gruppe aus Ulm, verantwortet die Planung der Gesamtanlage und die Firma Nübel-Bau (Pfalzgrafenweiler) führt die Hoch- und Tiefbauarbeiten aus. Die Stadtwerke Horb am Neckar sind Bauherr des Projekts und begleiten die Realisierung.
Am 22. Oktober 2026 haben die Stadtwerke Horb am Neckar gemeinsam mit ihren Projektpartnern den Spatenstich für die neue Energiezentrale auf dem ehemaligen
Kasernengelände gefeiert.
Oberbürgermeister Michael Keßler begrüßte die Beteiligten.
Anschließend stellten Vertreter der Julius Gaiser Unternehmensgruppe und der GaiserPlan GmbH das Gesamtprojekt und die geplante Anlagentechnik vor.
Auch der Heizbeirat, bestehend aus Vertretern der Fernwärmekunden und des Gemeinderats, begleitete den Projektstart.
Die neue Energiezentrale kombiniert eine moderne Biomassefeuerung mit Rauchgasreinigung, Rauchgaskondensation und einer Hochtemperatur-Wärmepumpe. Ergänzt wird das Konzept durch einen Großwärmespeicher.
Herzstück der neuen Anlage ist ein Biomassekessel der Firma Urbas mit einer Heizleistung von 2.500 Kilowatt. Er wird mit Holzhackschnitzeln aus dem städtischen Forst betrieben und ist auf einen robusten und flexiblen Betrieb ausgelegt. Neben herkömmlichen Holzhackschnitzeln können auch Schreddermaterial und Landschaftspflegeholz eingesetzt werden.
Der Brennstoff wird in einem Bunker mit befahrbarem Schubboden gelagert, dessen Fassungsvermögen einen Vorrat von fünf Tage ermöglicht. So kann die Anlage beispielsweise auch während den weihnachtlichen Feiertagen ohne Nachbefüllung betrieben werden. Die Hackschnitzel gelangen über Fördereinrichtungen automatisch zur Feuerung. Dort verbrennen sie auf einem Treppenrost in einem großzügig dimensionierten Feuerraum, der in mehrere separat steuerbare Verbrennungszonen unterteilt ist.
Die bei der Verbrennung entstehenden Rauchgase werden durch moderne Filteranlagen gereinigt. Der angestrebte Staubgehalt liegt bei rund 10 Milligramm pro Normkubikmeter und damit bei der Hälfte der gesetzlichen Grenzwerten.
Darüber hinaus wird die Wärme genutzt, die bei herkömmlichen Anlagen über die Rauchgase verloren gehen kann. Dazu werden die Rauchgase in einer Rauchgaskondensation gezielt abgekühlt, sodass zusätzliche Wärme zurückgewonnen werden kann, die andernfalls ungenutzt an die Umgebung abgegeben würde. Auf diese Weise werden rund 650 Kilowatt zusätzliche Wärmeleistung erschlossen.
Eine Hochtemperatur-Wärmepumpe mit rund 1.000 Kilowatt Heizleistung nutzt diese vergleichsweise niedrige Wärmequelle und hebt das Temperaturniveau für die Einspeisung in das Fernwärmenetz an. In den Sommermonaten kann die Wärmepumpe bei geringerem Wärmebedarf außerdem warme
Außenluft als Wärmequelle nutzen. So kann die Biomasseanlage in dieser Zeit außer Betrieb bleiben.
Die neue Energiezentrale ist Teil einer umfassenden Weiterentwicklung der Wärmeversorgung. Neben den neuen Erzeugungskomponenten werden auch die Hydraulik und die Steuerung des bestehenden Wärmenetzes optimiert. Die vorhandenen Holzvergaseranlagen und die dazugehörigen Blockheizkraftwerke werden in das neue Gesamtkonzept eingebunden. Dadurch werden bestehende Anlagen weiter genutzt und mit der neuen Technik zu einem abgestimmten Erzeugungssystem verbunden.
Ergänzt wird die neue Erzeugungsstruktur durch einen Großwärmespeicher. Er entkoppelt die Wärmeerzeugung zeitlich vom Wärmebedarf der angeschlossenen Gebäude. Die erzeugte Wärme kann gespeichert und bei Bedarf in das Fernwärmenetz abgegeben werden. Dadurch lassen sich längere und gleichmäßigere Betriebsintervalle der Biomasseanlage erreichen. Das unterstützt einen effizienten Betrieb und kann zugleich die Lebensdauer der Anlage erhöhen.
Zusammen mit dem Großwärmespeicher können die Wärmeerzeuger der neuen Zentrale eine Wärmeleistung von rund 5.000 Kilowatt in das Fernwärmenetz einspeisen.
Die geplanten Investitionskosten für die neue Energiezentrale belaufen sich auf rund 7,8 Millionen Euro. Im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) wird das Projekt mit einer Förderquote von 40 % unterstützt.
Die Drucksache zur Vergabe des Biomassehackschnitzelkessels finden Sie hier
Informationen zum Thema Wärmeversorgung finden Sie unter www.horb.de/waerme