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Stadtnachricht

Volkstrauertag in Corona-Zeiten: Gedenkfeiern im Stadtgebiet abgesagt (C113 - 13.11.2020)


Am Volkstrauertag gedenken die Menschen der Opfer von Krieg und Terror. Zugleich soll der Gedenktag aber auch ein Zeichen für Frieden und Versöhnung sein. Dieses Jahr steht der Tag, wie so vieles, im Zeichen von Corona und den gemeinschaftlichen Anstrengungen zur Infektionsbekämpfung. 
Die traditionellen Gedenkveranstaltungen im gesamten Horber Stadtgebiet, die oftmals unter Beteiligung von Kirchen, Vereinen, Schulen sowie interessierten Bürgerinnen und Bürgern stattfinden, bleiben dieses Jahr aus. In der Horber Kernstadt und den Stadtteilen, in denen ein Kranz als Zeichen der Erinnerung an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft niedergelegt wird, erfolgt das Gedenken dieses Jahr in aller Stille und ohne öffentlichen Akt.

Volkstrauertag
In der Horber Kernstadt und den Horber Ortsteilen werden Gedenkkränze in diesem Jahr in aller Stille nierdergelegt.

„Die Frage des Friedens ist keine Frage an die Welt, sondern eine Frage an jeden selbst.“  Karl Jaspers, Philosoph. 

In einer Zeit, in denen die Bevölkerung durch Terroranschläge, wie kürzlich in Wien oder Nizza, verunsichert wird, in Zeiten, in denen eine Pandemie einen ganzen Planeten stilllegen kann, in Zeiten, in denen die Demokratie durch Wahlen verteidigt werden muss – in solchen Zeiten bekommt der Volkstrauertag plötzlich eine ungeheure Aktualität. Jeder Einzelne in Horb a. N. und seinen Ortsteilen kann zu einem friedvollen Miteinander beitragen.

Die ursprüngliche Bedeutung des Volkstrauertages war es, die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg als einschneidendes und tiefgreifendes Ereignis der Geschichte wachzuhalten und an die getöteten und vermissten deutschen Soldaten samt den trauernden Angehörigen zu denken. Die Gründe für diesen Krieg waren vor allem das Streben nach Macht und Autonomie, sowie die Missachtung der Neutralität anderer Staaten. Wegen der unzähligen Kriegstoten und Vermisstenschicksale wurde dieser Trauertag ins Leben gerufen. Der Zeitraum des schrecklichen Geschehens gehört für die meisten von uns zu einer fernen Vergangenheit, es gibt nur noch wenige lebende Zeitzeugen von damals. Umso wichtiger ist es, sich die Geschichte immer wieder vor Augen zu führen und zu erkennen, wie bedeutend es ist, sich konsequent für den Frieden einzusetzen – gerade in der heutigen Zeit.

Werfen wir also einen Blick in die damalige Zeit mit für uns heute unvorstellbarem Leid und einem unglaublichen Ausmaß an Zerstörung:
Weite Teile Europas liegen in Trümmern. Millionen Familien beklagen den Tod ihrer Angehörigen. Nach Kriegsende im Deutschen Reich engagierten sich Politiker und Vereine wie der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge für das Gedenken an die getöteten und vermissten Soldaten und Zivilisten. Die Motive reichten damals von der Heldenverehrung bis hin zum Ausdruck der Anteilnahme. Auch weitere am Krieg beteiligte Nationen wie Frankreich oder Großbritannien riefen solche Gedenktage ins Leben. Die Nationalsozialisten ergriffen die Macht und erklärten im Jahr 1934 den Volkstrauertag zum gesetzlichen Feiertag und definierten ihn zum „Heldengedenktag“. Er wurde in dieser Zeit zu Propagandazwecken missbraucht. In der Nachkriegszeit ab 1945 ist die Erinnerungskultur in Ost- und Westdeutschland dann erst mal unterschiedlich ausgeprägt. Nur die damalige Bundesrepublik knüpft an die Geschichte des Volkstrauertags an. Seit dem Jahr 1952 hat er dort den Status eines gesetzlichen Gedenktags. In der DDR wird stattdessen vornehmlich an die Opfer des Faschismus erinnert. Dazu zählen vor allem die kommunistischen Widerstandskämpfer. Seit der Wiedervereinigung gibt es nun den Volkstrauertag in allen Bundesländern. Zu den Ritualen gehören bundesweite Kranzniederlegungen und Gottesdienste.

Erinnert wird heutzutage nicht nur an die Opfer des Ersten und des Zweiten Weltkriegs, sondern an alle Toten aufgrund von Krieg, Gewaltherrschaft und Terrorismus. Inzwischen wird am Volkstrauertag ebenfalls der bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr gefallenen deutschen Soldaten gedacht. Wir denken an die vielen Opfer und menschlichen Schicksale, die in Glaubenskriegen, in Schlachten politischer Ideologien und sinnlosen anderen Krisen und Auseinandersetzungen zu beklagen sind. Eine schier erdrückende und unglaubliche Zahl von Opfern, die unser aller Vorstellungsvermögen übersteigt – aber es ist nicht nur eine Zahl. Dahinter stehen einzelne Namen, einzelne Schicksale, an die wir erinnern und die wir betrauern. Mit diesem Gedenktag verleihen wir der Abkehr von Gewalt und Hass Ausdruck. Er ist ebenfalls der Ausdruck von Anteilnahme mit allen, die Leid tragen und um die Toten trauern.

Aus der Erinnerung an die bedrückenden Schicksale muss die wichtige Botschaft, die an uns alle von diesem Tag ausgeht, lauten: Nie wieder! Der Volkstrauertag ruft vor allem dazu auf, Zeichen von Hoffnung und Versöhnung zu setzen und fordert uns dazu auf, unsere Verantwortung für den Frieden zu übernehmen.

Friede beginnt bei jedem von uns. Es geht um unseren inneren Frieden, es geht um den häuslichen Frieden, es geht um den Frieden im Umgang mit unseren Kollegen oder Nachbarn. Der Volkstrauertag mahnt uns zum Nachsinnen darüber, was wir alle als Nation, als Kommune und als Einzelner für Frieden, Freiheit und Menschlichkeit tun können. Als Erblast der jüngeren Geschichte wird von uns Deutschen erwartet, alle Möglichkeiten zur Förderung eines gerechten Friedens und zur Wahrung der Menschenrechte konsequent auszuschöpfen. So gilt es, frühzeitig zu erkennen, wenn Menschenrechte ausgehöhlt und mit Füßen getreten werden. Wir müssen couragiert einschreiten, wo Mitmenschen unsere Hilfe brauchen. Niemals dürfen wir gegenüber menschlichem Leid in Gleichgültigkeit verfallen. Auch die aktuelle Situation zeigt uns, dass wir keinen Frieden auf der Welt haben. Die Welt kommt nicht zur Ruhe. Denken wir daran, dass Millionen von Menschen auch heute noch im Krieg leben müssen oder davor fliehen. Denken wir also am Volkstrauertag auch besonders an die Getöteten der bewaffneten Konflikte und politischen Willkürherrschaften in der Gegenwart. Aber auch an die, die unterdrückt und verfolgt werden, und an die, die aus unmenschlichen Verhältnissen fliehen. Diese schrecklichen Beispiele führen uns vor Augen, wie wenig selbstverständlich Frieden in der heuteigen Zeit ist. Und wie existenziell eine gefestigte, starke Demokratie ist, die extremistische Tendenzen aushält und im Zaum hält. 

Die aktuelle Diskussion zeigt, dass Hass und Gewalt schon mit der Wortwahl beginnen. Es startet bereits mit der Verrohung der Sprache und schnell ist die Grenze zu tätlichen Übergriffen bis hin zu Mord überschritten. Es ist unsere Pflicht, den Anfängen von Terror und Gewalt zu wehren – im Kleinen wie im Großen. Wir müssen wachsam und wehrhaft sein! Wichtige Eckpfeiler sind dabei das Gedenken, die Rückbesinnung und unsere Erinnerungskultur.  

Wir hier in Horb a. N. verstehen uns als eine weltoffene, vielfältige, tolerante und international ausgerichtete Stadt. Hier ist kein Platz für menschenverachtendes Gedankengut und Fremdenfeindlichkeit. Unser friedliches Zusammenleben ist eines unserer höchsten Ziele. 

Wir bleiben den Opfern verbunden in der dauerhaften Verpflichtung für Frieden, Freiheit, Demokratie und Menschlichkeit. Und dies wollen wir für uns im Gedächtnis und im Herzen bewahren, wenn wir zusammen an den Volkstrauertag denken.

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